Reformierte Pfarrgemeinde: Gesuch an Maria Theresia um Genehmigung zum Bau einer Kirche aus Stein

Reformierte Pfarrgemeinde: Gesuch an Maria Theresia um Genehmigung zum Bau einer Kirche aus Stein

Faksimile der im Archiv der Pfarrgemeinde liegenden Abschrift des Gesuchs an Maria Theresia um Genehmigung zum Bau einer Kirche aus Stein. Der in lateinischer Kursivschrift verfasste Text aus dem Jahr 1764 umfasst zwei Seiten und hebt insbesonders die alten Privilegien der Pfarrgemeinde hervor. - Die materiellen Grundlagen für den Kirchenbau sind eng an die Namen zweier bedeutender, weltlicher Herren geknüpft. • Karl Szeremlei, der mit seiner Frau Judith Szentpeteri ein großer Gönner der Kirchengemeinde war, und auf dessen Veranlassung hin seine in Debrecen lebenden Geschwister Georg und Samuel 250 Gulden für den Kirchenbau spendeten. • Ladislaus Chernel war der zweite Oberkurator, dem die Kirchengemeinde noch mehr zu verdanken hatte. Er spendete für die Gehälter des Pfarrers und Lehrers 6 Joch Grund. Durch seine Vermittlung errichtete die Frau des Grafen Castiglione, Susanne Szondy, 1753 eine Stiftung von 2000 Gulden zugunsten der Kirchengemeinde. Aus den Zinsen sammelte Chernel 1000 Gulden für den Kirchenbau. Ebenso spendete durch seine Vermittlung Kapitän Hubert Gesztefeld 350 Gulden für den Kirchenbau. Noch wichtiger aber war die Tatsache, dass sie durch ihr persönliches Ansehen die Sache des Kirchenbaues förderten. Karl Szeremlei und Ladislaus Chernel legten Königin Maria Theresia am 24. April 1764 persönlich die erste Petition der Kirchengemeinde vor, in der um die Genehmigung ersucht wird, an der Stelle der einsturzgefährdeten Holzkirche ein Oratorium aus Stein errichten zu dürfen. – Eine Überprüfungskommission stellte daraufhin fest, dass einerseits die morschen Balken der Kirche jeden Augenblick einstürzen könnten, andererseits aber die Kirche zu klein sei, alle Mitglieder aufzunehmen, da z. B. bei einer gewöhnlichen Morgenandacht so viele Besucher teilnahmen, dass etwa 40 Personen vor der Kirchentüre stehen mußten. Der katholische Bischof von Györ widersprach vor dem Hof dieser Darstellung und klagte noch dazu den Oberwarter Pfarrer wegen des Dienstes an Lutheranern an. - Am 7. Juni 1766 verfügte das Konsistorium, dass das Komitat gemeinsam mit dem Bischof eine neuerliche Überprüfung in Oberwart vorzunehmen habe. Da darauf nicht reagiert wurde, musste sich die Kirchengemeinde am 1. Februar 1768 erneut an die Königin wenden. Auf dem Tisch des Konsistoriums lag neben dem objektiven Bericht des Komitates wieder die Information des Bischofs, welcher den Pfarrer neuerlich beschuldigte, die Nottaufe an Neugeborenen nicht durchzuführen und lutherische Kinder in der reformierten Schule zu unterrichten. Die langsam unangenehm werdende Angelegenheit versuchte das Konsistorium dadurch zu beenden, dass in einer Entscheidung vom 23. August 1768, der Bitte der Oberwarter insofern stattgebend wurde, als dass sie die Erlaubnis erhielten, eine ebensolche Holzkirche wie die alte erbauen und auch einen Glockenstuhl mit einer Glocke errichten zu dürfen. Es war jedoch noch ein weiteres Bittschreiben notwendig, um einerseits um Gnade für den Pfarrer zu ersuchen und andererseits das erhoffte Ziel zu erreichen, nach den Plänen aus dem Jahr 1764 die Kirche erbauen zu dürfen. Im Antwortschreiben der Königin vom 1. Juli 1769 wird der Bau der Kirche dann endlich genehmigt, das Gnadengesuch für den Pfarrer wird nicht erwähnt. Die Komitatsbehörden legten sich nun nochmals quer, sodass erst durch ein neuerliches demütiges, inständiges Bittschreiben an die Königin Maria Theresia die Verfügung vom 1. Juli mit Dekret vom 9. Oktober 1769 endgültig bestätigt wurde. Damit erreichte die Kirchengemeinde doch noch ihr Ziel.

JAHR DER ENTSTEHUNG

1764

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: Aus „200 Jahre Reformierte Kirche in Oberwart“

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