Gebäude der Druckerei Schodisch (Grazerstraße 49 / OW 329) - Geschichte bis 1911 anlässlich der 50-Jahr-Feier der Oberwarther Sonntags = Zeitung

Gebäude der Druckerei Schodisch (Grazerstraße 49 / OW 329) - Geschichte bis 1911 anlässlich der 50-Jahr-Feier der Oberwarther Sonntags = Zeitung

Die Gründung der Oberwarther Sonntags-Zeitung. - Von Hugo Ehrenwerth - Im Jahre 1876 errichtete der auf der Wiener Weltausstellung und in Philadelphia mit den ersten Preisen prämiierte Photograph Ludwig Schodisch in Oberwarth eine kleine Buchdruckerei. Eine kleine Handpresse und wenige Schriftkasten bildeten das Inventar und Adalbert Libieczek fungierte als Geschäftsleiter, Setzer und Drucker. An Arbeit fehlte es nicht, aber wegen der Unzulänglichkeit der Einrichtung konnte nur wenig Arbeit übernommen werden, so daß die Vergrößerung des Geschäftes immer dringlicher wurde. Schon nach einem Jahre wurde eine Handpresse und Schriftmaterial angeschafft. Nach dieser Erweiterung reifte in diesen beiden Männern der Plan, eine Zeitung herauszugeben, aber Freunde und Bekannte stellten ein schlechtes Prognostikon, in der damals noch von jedem Verkehr abgeschlossenen Gegend ein solches Wagnis zu unternehmen. Libieczek war aber von diesem Plan nicht ganz abzubringen und wußte seinen Chef dahin zu bewegen, gleichsam als Vorprobe einen Kalender herauszugeben, der auch zuerst für das Jahr 1879 erschien. Der Vertrieb gelang über alle Erwartung und hatte zur Folge, daß das Zeitungsprojekt wieder aufgenommen und mit aller Energie die Vorarbeiten in Angriff genommen wurden. Als die Nachricht von der Gründung einer Zeitung bekannt wurde, war es zuerst die Lehrerschaft des ganzen Bezirkes, welche eine Zeitung im Bezirk als Kulturfortschritt allerersten Ranges bezeichnete und die tatkräftigste Mitarbeit zusicherte. Aber auch in der Bevölkerung zeigte sich schon im Anfang das allergrößte Interesse. - Doch nicht so günstig stand es bei den Behörden, die die Herausgabe eines deutschen Blattes mit scheelen Augen ansahen und, wo es möglich war, Hindernisse in den Weg warfen, um das Projekt zum Scheitern zu bringen. Der größte Gegner war der damalige Oberstuhlrichter (Anm.: Bürgermeister) Ruzsa, der nicht zugeben wollte, daß in seinem Bezirke ein deutsches Blatt erscheint. Doch Schodisch und Libieczek verloren nicht den Mut, zahlreiche Freunde ließen es nicht an Aufmunterung und Unterstützung fehlen. Die beiden Grafen Stephan und Julius Erdödy zeigten lebhaftes Interesse und durch ihre moralische Unterstützung konnten alle Hindernisse beseitigt werden. - Im Herbst des Jahres 1879 war es dann so weit, daß an die Herausgabe des Blattes geschritten werden konnte. Aber noch immer blieb der Zweifel, ob sich die nötige Anzahl Abnehmer finden werde. Es wurde daher vorerst am 1. Dezember 1879 eine Probenummer herausgegeben (damals wurde ich von Libieczek, mit dem ich von früher her bekannt war, von Deutschland berufen, und habe ich diese erste Nummer auf der Handpresse gedruckt) und darin die regelmäßige Herausgabe ab 1. Jänner 1880 angekündigt, wenn bis dahin die nötige Abonnentenzahl angemeldet ist. Geplant war ein vierseitiges Blatt unter dem Titel „Oberwarther Sonntags-Zeitung, Nichtpolitisches Wochenblatt für das gesamte Volksinteresse." Als Herausgeber zeichnete Ludwig Schodisch, als Redakteur Adalbert Libieczek. Schon in den nächsten Tagen zeigte sich, daß das Blatt lebensfähig sein wird und die regelmäßige Ausgabe begann. Die Bevölkerung nahm das Blatt mit größtem Interesse entgegen und wuchs die Zahl der Abonnenten stetig. Die Lehrer als Mitarbeiter arbeiteten fleißig und die Zahl der Einsendungen war so groß, daß sehr bald mit vier Seiten nicht mehr das Auslangen gefunden werden konnte, zudem sich auch viele Inserenten fanden. Das Blatt erschien schon einige Monate und da machte sich abermals der damalige Oberstuhlrichter Ruzsa unangenehm bemerkbar. Er verlangte vom Redakteur seine Ausweispapiere und folgerte daraus, daß er als Wiener nicht Redakteur in Ungarn sein kann und binnen 48 Stunden Oberwarth verlassen müsse. Die gemachten Einsprüche fruchteten nichts und das Pandurenkommando bekam den Auftrag, Libieczek über die Grenze zu bringen. Dieser wartete aber nicht, bis die Panduren kamen, sondern fuhr bei Nacht und Nebel über die Grenze und von dort nach Wien, wo er in der kürzesten Zeit die erforderlichen Dokumente bekam. Am dritten Tage konnte er dem Herrn Oberstuhlrichter klar machen, daß er doch Redakteur in Ungarn sein werde. - Indessen nahm das Blatt einen immer erfreulicheren Aufschwung, die Auflage stieg so gewaltig, daß es beinahe zur physischen Unmöglichkeit wurde, das Blatt zur rechten Zeit auf der Handpresse herzustellen und mußte eine Schnellpresse angeschafft werden. Doch jetzt meldete sich die Konkurrenz. Die damalige Unabhängigkeitspartei, die bei jeder Abgeordnetenwahl ihre Kandidaten im Oberwarther Bezirk aufstellte, aber nie durchbrachte, schrieb den Mißerfolg dem Mangel einer deutschen Zeitung zu und gab in Steinamanger ein Parteiblatt unter dem Titel „Der Volksfreund" heraus. Es fehlte darin nicht an Angriffen gegen die „Oberwarther Sonntags-Zeitung". In allen Orten wurden Werber für den „Volksfreund" aufgestellt, aber unserem Blatte geschah kein Abfall. Dann versuchte man, unseren Redakteur durch sehr günstige Angebote für den „Volksfreund" zu gewinnen, was aber abgelehnt wurde. Oberwarth mit seinen großen Märkten und Amtssitz der Behörden war damals von allen Seiten nur per Wagen auf schlechten Straßen zu erreichen. Die nächsten Bahnstationen waren Steinamanger gegen Ungarn, Wiener-Neustadt gegen Wien und Gleisdorf gegen Graz. Unter diesen Umständen hatten der bedeutende Handel mit Schlachtvieh und auch die Geschäftswelt sehr zu leiden. Programmgemäß hat die „Oberwarther Sonntags-Zeitung" immer wieder besprochen und die maßgebenden Kreise aufgefordert, Mittel und Wege zu bezeichnen, um unserer so vernachlässigten Gegend einen Anschluß an das große Eisenbahnnetz zu verschaffen. Der Erfolg war, daß dieser Frage nähergetreten wurde, die Gemeinden und Sparkassen opferten große Beträge und mit vereinten Kräften konnte die Eisenbahn Steinamanger-Pinkafeld schon im Jahre 1888 dem Verkehr übergeben werden. Ein anderer Programmpunkt war das Kapitel Feuerlöschwesen. Im ganzen Bezirk existierte nur eine Feuerwehr, und zwar in Pinkafeld. Zahlreiche und große Brände, auch in Oberwarth, vernichteten Unsummen an Volksvermögen. Die Löschmittel der Gemeinden waren unzulänglich und veraltet, aber auch die Bevölkerung verhielt sich indolent und betrachtete diese Brände als unabwendbares Übel, das schon immer gewesen. Die „Oberwarther Sonntags-Zeitung" ließ nicht locker, immer wieder machte sie auf den Mangel an Feuerschutz aufmerksam, bis sich in den Gemeinden Männer fanden und die Gründung von Feuerwehren in die Hand nahmen. Fast alle Wehren des Bezirkes verdanken ihr Bestehen dem Impuls der „Oberwarther Sonntags-Zeitung." Mit gleichem Ernst und Eifer wurde im Blatte die Errichtung eines Krankenhauses in Oberwarth betrieben. Bald zeigte sich Interesse in der Bevölkerung, das dahin führte, daß sich ein Krankenhausverein bildete, dem das heutige Bezirkskrankenhaus sein Bestehen verdankt. Mit berechtigtem Stolz kann die „Oberwarther Sonntags-Zeitung" auf diese Erfolge zurückblicken, die ein Ruhmesblatt in der Geschichte dieser Zeitung bilden. - Trotz des loyalen und erfolgreichen Wirkens wurde dem Blatt ein Presseprozeß angehängt. Der Staatsanwalt hatte herausgeklügelt, daß das nichtpolitische Batt in verschiedenen Aufsätzen doch Politik treibe. Die Verhandlung fand in Steinamanger statt und der damalige Advokat Stephan Hrabovßky (heute öffentlicher Notar) führte die Verteidigung. Seine Argumente waren so schlagend, daß ein vollkommener Freispruch erfolgte. Das zehnjährige Jubiläum konnte freudigst begangen werden. Ein Rückblick zeigte, daß die ehrliche Arbeit im Dienste des Volksinteresses reichliche Früchte getragen hatte und die Abonnentenzahl so groß war, daß kein anderes Blatt in Westungarn auch nicht annähernd eine so große Auflage hatte. Ebenso war die Zahl der ständigen Mitarbeiter gestiegen und die für die Jubiläumsnummer eingesandten Arbeiten erforderten den Raum von 16 Seiten. Zahlreiche Gratulationen und Anerkennungsschreiben aus dem Leserkreise und den verschiedenen Körperschaften gaben Zeugnis von dem Wert des Blattes als Kulturträger und neuen Ansporn zu weiterem Wirken. Als Berichterstatter für das Blatt hatte Schodisch Herrn Johann Ruß in St. Gotthard gewonnen, dessen Berichterstattung und Leitartikel Beachtung fanden. Ein besonders begabter Schriftsteller war der Sinnersdorfer Schulleiter Alitsch, ein Heller Kopf, der mit Libieczek eng befreundet war. Jedoch bald nach dem zehnjährigen Jubiläum traf ein schwerer Schlag das Unternehmen, indem August Witsch mit Tod abging. Witsch war einer der fruchtbarsten Mitarbeiter. Doch gar nicht lange, als dieser Schlag überwunden war, folgte ein neuer, der ungleich schwerer empfunden wurde. Zu Neujahr 1896 starb nach erfolgreichem und arbeitsamem Leben Adalbert Libieczek. Es war ungeheuer schwer, sein Erbe anzutreten und in seinem Sinne weiterzuarbeiten. Es heißt zwar, daß kein Mensch unersetzlich ist. Dies ist wohl wahr, aber doch nicht so leicht, wieder die gleichen Fähigkeiten zu finden. Nicht selten kam es vor, daß er im letzten Augenblick noch keinen Leitartikel hatte. Kurz entschlossen stellte er sich zum Kasten und setzte seinen Leitartikel ohne jede vorherige Niederschrift. Nach seinem Tode übernahm der Herausgeber Ludwig Schodisch auch die Redaktion und programmgemäß wurde das Blatt in gewohnter Bahn erfolgreich weitergeführt und besonders in der Steiermark gewann das Blatt stetig Anhänger und der Inseratenteil erforderte einen bedeuten den Raum. Allen Vorgängen im öffentlichen Leben wurde die größte Aufmerksamkeit zugewendet und energisch für das Volksinteresse eingetreten. Für den Anschluß der Aspangbahn an die Sackbahn in Hartberg wurde in unserem Blatte so viel als möglich Propaganda gemacht und immer darauf hingewiesen, welchen Nutzen das für unsere Gegend bedeutet und daß wir dadurch dem Ziele näher kommen, von Pinkafeld aus endlich den Anschluß an das österreichische Bahnnetz zu erreichen. Leider zerschlugen sich damals alle Projekte und Verhandlungen, welche in diesem Sinne geführt wurden. - So kam die Zeit des 25-jährigen Bestandes. Mit diesem Jubiläum fiel auch der 70. Geburtstag des Herausgebers zusammen. Grund genug, ein Freudenfest zu begehen. In dem immer gastfreundlichen Hause Schodisch wurde eine Festtafel arrangiert, an der das Personal mit den Familienangehörigen und die engeren Freunde teilnahmen. Telegramme und Zuschriften aus allen Kreisen, insbesondere auch von den in Amerika lebenden Landsleuten und Lesern des Blattes liefen ein, welche alle das weitere Gedeihen des Blattes herzlich wünschten. Aber auch die Oberwarther Bürgerschaft nahm diesen Gedenktag ganzen Bezirk und in allen Kreisen bekannten und beliebten Herausgeber der „Oberwarther Sonntags- Zeitung" zu ehren und die wohlverdiente Anerkennung auszusprechen. In den Kasinolokalitäten fand ein Bankett statt, das überaus zahlreich besucht war. Alle Ämter waren vertreten, zahlreiche Redner traten auf, die alle die Verdienste des Herausgebers hervorhoben, die er sich durch sein Wirken für den Aufschwung des Bezirkes erworben. Es leben noch viele, die damals Zeuge dieser Ehrung waren und sich heute noch gerne daran erinnern. Das sich nun stark fühlbar machende Alter des Herausgebers Ludwig Schodisch ließ in ihm den Gedanken aufkommen, auszuspannen und das von ihm gegründete und mit Liebe gepflegte Unternehmen in jüngere Hände zu legen. - Am 1. Jänner 1911 ging das Blatt in den Besitz des Herrn Friedrich Reiß über, der es im Sinne seines Vorgängers weiterführte und zu großem Aufschwung brachte.

JAHR DER ENTSTEHUNG

1929

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: © ÖNB – ANNO: Historische österreichische Zeitschriften und Zeitungen

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