Oberwarther Sonntags = Zeitung - 18. November 1934: Nachruf zum Ableben von Friedrich Reis (auch Reisz oder Reiß)

Oberwarther Sonntags = Zeitung - 18. November 1934: Nachruf zum Ableben von Friedrich Reis (auch Reisz oder Reiß)

"Oberwarther Sonntags-Zeitung 18. November 1934: erschüttert stehen wir an der Bahre eines Mannes, der soeben ein arbeitsreiches Leben in Ehren abgeschlossen hat. Kommerzialrat Friedrich Reiß ist nicht mehr, er ist den Weg gegangen, den alle Menschen gehen müssen, den Weg in die Ewigkeit. Weit über die Gaue unseres Bezirkes hinaus hatte der Name Reiß den besten Klang, denn sein Name bedeutete viel. Er war ein Mann, aus dessen Wort, was in den heutigen Zeiten wohl sehr viel heißen mag, man ruhig bauen und vertrauen konnte, denn er wich nie vom Pfade der Ehrlichkeit und Korrektheit ab, er war ein Mann im vollsten Sinne des Wortes, der sich aus eigener Kraft jene geachtete Stellung zu verschaffen wußte, die er bis zu seinem Tode innehatte. - Arbeitsreich war sein Leben. In seinen jungen Jahren besuchte er die Kavalleriekadettenschule in Mährisch-Weißkirchen und diente dann beim Husarenregiment Nr. 9. Nach Ableistung seiner Militärdienstzeit war er längere Zeit in leitender Stellung innerhalb der ungarischen Mühlenindustrie tätig und später übernahm er die Druckerei Schodisch in Oberwarth, die er auf jene Höhe brachte, auf der sich dieselbe heute befindet. Die Ausgestaltung der „Oberwarther Sonntags-Zeitung" war sein Werk, war sein Stolz. Jahrzehnte hindurch ging er unbeirrt und unbeeinflußbar von den Streitigkeiten des politischen Lebens den einmal für richtig erkannten und dann eingeschlagenen Weg, den Weg der Versöhnung innerhalb des Volkes. Er wußte genau, daß sein Blatt von Freunden und Gegnern sehr gerne gelesen wurde und er ließ nicht nur seine Freunde, sondern auch seine Gegner in seinem Blatte zu Worte kommen. Kommerzialrat Reiß war auch Abgeordneter des burgenländischen Landtages und er widmete sich mit Hingabe dieser seiner Aufgabe. - Nun ist er von uns gegangen, eine fühlbare Lücke zurücklassend, die wohl schwer zu überbrücken sein wird, denn auch bei den Zentralstellen unseres österreichischen Vaterlandes war sein Wissen hochgeschätzt. Dazu war er in all seinen Handlungen der unentwegte Mann der bürgerlichen Richtung geblieben. Trauernd stehen seine Freunde, ohne Unterschied der Religion, an seiner Bahre und viele begleiten ihn auf seiner letzten Reise nach Güns, jenem schönen Städtchen, von wo er einstens seine liebe Frau sich holte, an deren Seite er nun die ewige Ruhe finden wird. - Friedrich Reiß! Wir alle deine Freunde, die Dich so hoch schätzten, sagen Dir Lebewohl, sagen Dir aber auch Dank für die Stunden, die sie mit Dir verbringen konnten. Es war uns oft eine Freude, mit Dir die Sorgen und Gefahren unserer heutigen Zeit besprechen zu können, denn Dein klarer Geist sah vieles voraus. Nun bist Du für immer von uns gegangen, doch wir werden Dich nie vergessen und Dein Andenken Hochhalten. Lebe wohl und möge Dir die Erde leicht sein und mögest Du ruhen in Frieden". - Franz Binder.

JAHR DER ENTSTEHUNG

1934

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: © ÖNB – ANNO: Historische österreichische Zeitschriften und Zeitungen

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