Im Vordergrund ist das heute nicht mehr existierende Haus Steinamangererstraße 7 abgebildet, für das um 1945 als Besitzer der Name Eisenbeisser angegeben ist, links am Bildrand das Haus des heutigen Stadtwirts und ca. in der Bildmitte, versteckt hinter Bäumen auf Steinamangererstraße 3 das Geburtshaus von Stefan Kincs (*1867 /+1942). Er war Prälat Abt-Pfarrer von Güns und ein ungarischer Schriftsteller (siehe Gedenktafel in der Hauseinfahrt). - Die Karte wurde 1913 geschrieben. // Zur Geschichte Oberwarts bis 1914 - frei nach Dir. Alois Schaffer: Die königlichen Schenkungen an die Nachkommen der Grenzwächter von Rudolf II. im Jahre 1582 waren durch Vererbungen aufgesplittet, sodass der Boden, obwohl er ob seiner Fruchtbarkeit viele Jahre dem Anbau von Körnerfrucht, Zucker- und Futterrüben, Flachs, Hanf udgl. gedient hatte und die Bevölkerung gut versorgte, zur Ernährung des dicht besiedelten Gebiets nicht mehr ausreichte. So mussten sich die Menschen auf den Holzreichtum der Umgebung fokussieren oder in die neu gegründeten Pinkafelder Fabriken gehen. Es entstand jedoch auch eine kleine Hausindustrie in Oberwart: Korb- und Strohflechterei, Rechen- und Botticherzeugung, sowie die Erzeugung der „Oberwarter Feidln“. – 1841 wurde der Gemeinde das Marktrecht verliehen, der 1. Markt wurde an einem Mittwoch im Dezember abgehalten. Er wurde mit der Verlesung des königl. Freibriefs und unter dem Dröhnen von Mörsern und dem Geläute der Glocken aller drei Kirchen eröffnet. Neben dem „Krämermarkt“ wurde auch ein Viehmarkt etabliert. Es wurden anfangs 12 Jahrmärkte, später nur noch 4. Die Termine dafür waren • 2. Mittwoch in der Fastzeit • 2. Mittwoch nach Ostern • Am Mittwoch in der Portiunkularwoche [Anm.: Das Portiunkula-Fest rund um den 2. August ist ein traditionelles franziskanisches Kirchen- und Gedenkjahrfest]. • Am Mittwoch in der Demetriuswoche [Anm.: Sie bezeichnet im traditionellen bäuerlichen und religiösen Kalender die Woche, in die der Gedenktag des heiligen Demetrius am 26. Oktober fällt]. - 1864 wurde Oberwart zum Bezirksvorort. 1876 wurden neue Vermessungen vorgenommen und das Grundbuch angelegt. Das k & k Stuhlrichteramt und das k & k Steuereinhebeamt übersiedelten von Pinkafeld nach Oberwart. 1877 wurde die Fernschreibverbindung zwischen Pinkafeld und Steinamanger hergestellt. 1872 war die Oberwarter Sparkasse gegründet worden und 1894 nahm die Bezirkssparkasse Oberwart ihren Betrieb auf. Durch den Ausbau der Bahnlinie Steinamanger – Pinkafeld erhielt Oberwart 1888 einen Bahnhof. Auch die Gewerbetreibenden arbeiteten fleißig und erfolgreich und fanden bei der Gewerbeausstellung des Eisenburger Komitats als "Vereinigte Innungen der Schlosser, Tischler, Fassbinder, Maurer und Schneider in Oberwart“ lobende Anerkennung. Das Siegel der Innung liegt im Bgld. Landesarchiv. Auf Grund der guten Lebensverhältnisse entwickelten sich auch die Bevölkerungszahlen gut. Zählte man 1833 noch 2.142 EinwohnerInnen und 247 Häuser, so waren es 1879 schon 3.198 EinwohnerInnen und 609 Häuser. Genannt werden erstmals auch 50 jüdische MitbewohnerInnen. Nachdem er bereits 1877 eine Druckerei in Oberwart eingerichtet hatte, gründete Ludwig Schodits 1879 die Oberwarther Sonntagszeitung, die bis 2003 fester Bestandteil des bgld. Zeitungswesens war. [Anm.: Danach gingen die Titelrechte an das Niederösterreichische Pressehaus, wodurch die Marke als Lokalausgabe in die Burgenländische Volkszeitung (BVZ) integriert wurde (ab Herbst 2004 offiziell unter dem kombinierten Namen Burgenländische Volkszeitung / Oberwarter Zeitung). Damit endete die Geschichte des Blattes, das als die älteste deutschsprachige Zeitung des Burgenlandes galt]. – Nachdem in Oberwart schon 1710/11 die Pest gewütet hatte, wurde der allg. Aufschwung 1873 durch den Ausbruch der Cholera und 1882 durch einen Großbrand, dem 85 Häuser zum Opfer fielen, unterbrochen. Dazu ist in der Oberen Wart nachzulesen: „Am 20. Februar 1882 um elf Uhr Vormittag entstand in der oberen Mühle aus Unachtsamkeit Feuer, welches durch den orkanartigen Nordwind angefacht, in wenigen Augenblicken die ganze Mühlgasse und das Zigeunerviertel sowie auch den Vörösdomb bis zum Haus des Gabriel Pal und die ganze Dornburggasse erreichte. Auch die ziegelgedeckten Häuser brannten nieder. Martin Kantor, ein Bursche von 26 Jahren, erstickte im Feuer. 76 Häuser brannten nieder, der Schaden wurde auf 48.640 Forint geschätzt. Gott sei uns gnädig“. - Dieser Großbrand hatte jedoch zur Folge, dass aus dem 1876 gebildeten Feuerunterstützungsverein im Jahr 1883 die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr erfolgte. 1903 wurde die Zweigbahn nach Oberschützen eröffnet und auch mit dem Bau des Krankenhauses begonnen. Dies war durch die Stiftung von Graf Julius Erdödy und Gattin möglich geworden. Das Krankenhaus wurde 1911/12 in ein Bezirksstiftungskrankenhaus umgewandelt und zur gleichen Zeit wurde der Ort auch elektrifiziert. Schon 1905 hatte die Jüdische Gemeinde eine Synagoge errichtet.
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
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