Oberwarther Sonntags-Zeitung vom 29. März 1936: Versammlungsbericht der Ortsgruppe Oberwart des Österreichischen Gewerbebundes

Oberwarther Sonntags-Zeitung vom 29. März 1936: Versammlungsbericht der Ortsgruppe Oberwart des Österreichischen Gewerbebundes

Die Zeitung berichtet wie folgt: "Die Ortsgruppe Oberwart des Oesterreichischen Gewerbebundes hielt am Sonntag den 22. März d. J. um 4 Uhr nachmittags im Hotel Johann Neubauer in Oberwart anschließend an die Jahresversammlung des Oberwarter Gewerbevereines ihre diesjährige Generalversammlung unter zahlreicher Beteiligung der Ortsgruppenmitglieder ab. Bezirksobmann Johann Vörös übermittelte der Versammlung Grüße des Landesführers Landesrat Johann Wagner mit dem Ersuchen, dessen Nichterscheinen zufolge dienstlicher Verhinderung gütigst entschuldigen zu wollen. - Obmann und Vorsitzender Ludwig Nika eröffnet die Versammlung nach vorangegangener Begrüßung aller Anwesenden und erstattete den Bericht über die Tätigkeit der Ortsgruppe Oberwart seit der letzten Jahresversammlung. Diesem Berichte, welcher sich in drei Gruppen, Organisation, Wirtschaft und Politik teilte, war zu entnehmen, daß die Arbeitstätigkeit im Berichtsjahr sehr rege und vielseitig, größtenteils auch von Erfolgen begleitet war. In dieser Zeit hat das Gewerbe den Weg von einer Periode der Zersplitterung und Desorganisation zu einigem und geschlossenem Zusammengehen im Rahmen einer straffen Einheitsorganisation gefunden und bedarf es sicherlich keines Beweises, daß die Durchsetzung des Willens des Handels- und Gewerbestandes möglich wird, wenn Handel und Gewerbe in sich selbst einig ist. Nur unter dieser Voraussetzung, bemerkte der Vorsitzende, kann von einem Berufstand gesprochen werden, der in der Lage und fähig ist, sich zusammen mit anderen Berufsständen auf gemeinsamer Grundlage im Interesse des Staates und des Gemeinwohles zu betätigen, ohne auf die volle Berücksichtigung seiner eigenen Lebensnotwendigkeiten und der berechtigten Interessen seiner Standesangehörigen auch nur zum Teil verzichten zu müssen. - Anschließend an die Ausführungen des Vorsitzenden erstattete Bezirksgruppenleiter Kammerrat Johann Vörös ein Referat über das eigentliche Zustandekommen der Grundgedanken der berufsständischen Organisation zwecks Schaffung einer freien Organisation des Oesterr. Gewerbebundes. Unermüdliche und aufopferungsvolle Organisations- und Werbearbeit wurde geleistet und brachte es in einem Jahre zustande, daß in jedem Bundeslande eine wohleingerichtete Landesgruppe, in jedem Bezirk eine Bezirksgruppe und in allen in Betracht kommenden Ortschaften gut funktionierende Ortsgruppen errichtet werden konnten. Die Bezirksgruppe Oberwart zählt derzeit 40 Ortsgruppen, verteilt auf einen Sprengel von 84 Gemeinden. Die Mitgliederzahl beträgt 1500 und ist in stetem Zunehmen begriffen. Die im Bezirke bestehenden Ortsgruppen werden von 40 Ortsgruppenleitern, 40 Stellvertretern und 354 Ortsgewerberäten und Funktionären im Sinne der Satzungen und Weisungen der Bezirksleitung geführt. Das Inkasso der Mitgliedsbeiträge funktionierte trotz der derzeit noch immer andauernden wirtschaftlich ungünstigen Verhältnisse im Gewerbestande außerordentlich gut, zum Beweis dessen, daß im Berichtsjahre 15.008 Stück Gewerbebundsmarken im Werte von 7504 Schilling abgesetzt werden konnten. Von diesem Erlöse mußten der Landesgruppe 6007,20 Schilling abgeführt werden und fand der Rest von 1496 Schilling für Spesenrückvergütungen an Ortsgruppen, diverse Auslagen der Bezirksleitung etc. Verwendung. Das Hauptaugenmerk der Bezirksgruppe wurde auf Abstellung der unbefugten Gewerbeausübungen einerseits und Wahrung der Interessen der Mitglieder hinsichtlich zu hoher Steuerbemessungen anderseits gelenkt und haben beide Arbeitsgebiete zahlreiche positive Erfolge gezeitigt. Unter Intervention der Bezirksleitung wurden im abgelaufenen Jahre vielbesuchte Sprechtage abgehalten, und nicht unerwähnt soll die Neubestellung der Gemeindetage bleiben, in die als Vertreter für Handel und Gewerbe nur jene Mitglieder, die seitens der Ortsgruppen in Vorschlag gebracht wurden, einziehen konnten. - Die fortschreitende Entwicklung sowohl der Vaterländischen Front als auch die des Oesterreichischen Gewerbebundes haben es nunmehr notwendig gemacht, das Verhältnis zwischen der Vaterländischen Front und dem Gewerbebund neuerlich zu regeln. Der Oesterreichische Gewerbebund wird in Hinkunft auch die Familienmitglieder, soweit sie der B. F. angehören, erfassen. Es steht somit eine Vereinheitlichung für den ganzen Berufsstand Gewerbe bevor, eine Vereinheitlichung, die auch die Frage der Mitgliedskarten, Mitgliedsbeiträge und des Inkassos betrifft. Die Ziffern, die den Umfang der geleisteten Arbeit, nicht minder aber auch die Macht und Ausdehnung des Gewerbebundes veranschaulichen, bezeugen, daß wir heute über eine einheitliche, von begeisterter Vaterlandsliebe getragene schlagkräftige Organisation verfügen, die sich würdig und in vollem Bewußtsein ihrer Aufgabe und der ihr zukommenden Verantwortung in den großen Rahmen der Vaterländischen Front einfügt. Unsere Ausgabe wird es daher weiter sein müssen, auch im heurigen Jahre unsere Organisation weiter auszubauen und den Geist zu pflegen, den wir als kostbarstes Erbe von den früheren gewerblichen Organisationen, aus denen ja der Gewerbebund hervorgegangen ist, übernommen haben. - Mit Dank allen Mitarbeitern für die ihm geleistete treue Gefolgschaft zum Gelingen des großen Aufbauwerkes im Bezirke und dem Worte „Oesterreich!" beschloß Bezirksleiter Johann Vörös sein Referat. Nach Beendigung der Verhandlungspunkte wurde die Versammlung um 18 Uhr geschlossen".

JAHR DER ENTSTEHUNG

1936

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: © ÖNB – ANNO: Historische österreichische Zeitschriften und Zeitungen

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