Helmut Gabriel (*1943) ist mit dem Korbflechten groß geworden. Er hat von 1957 bis 1960 eine Korbflechter-Lehre in Wien absolviert, danach hat er im elterlichen Familienbetrieb mitgearbeitet und diesen dann am Beginn der 1970er Jahre von seinem Vater übernommen. Mit seiner Pensionierung schloss Helmut Gabriel im Jahr 2008 den Betrieb im Alter von 65 Jahren. // Das Korbflechten ist jene Technik, die „zusammenhängende Gebilde durch Kreuzungen schmaler Streifen erzeugt“. Sie gehört zu den ältesten Techniken, die die Menschen beherrschten. Für die Generation unserer Groß- und Urgroßeltern war das Alltagsleben ohne Korbflechter unvorstellbar. Um den Menschen das tägliche Leben zu erleichtern, wurden viele unterschiedliche Arten von Körben hergestellt und verwendet: Tragekörbe für die Landwirtschaft, Buckelkörbe, Brotkörbe („Simperl“) für Bäckerbetriebe, Papierkörbe, Korbflaschen für Weinhändler, Wäschekörbe, Körbe für Stubenwagen oder als Schutz für die Treibstoffgefäße an Tankstellen; - Für Menschen, die das Flechten nicht beherrschten, war die Arbeit eines Fachmannes daher eine große Bereicherung. Heute ist es eine Seltenheit, einem Korbflechter bei seiner Arbeit zusehen zu können, weil nur noch wenige Menschen dieses Handwerk beherrschen. In Ausnahmefällen ist das Flechten aus dem Werkunterricht oder aus sozialen Einrichtungen, in denen das Flechten als Therapieform eingesetzt wird, bekannt. Aber dass es einen eigenen Beruf dafür gab, wissen nur noch wenige Menschen. - Der Beruf des Korbflechters war bis vor einigen wenigen Jahrzehnten nichts Außergewöhnliches, ein Lehrberuf, dessen Ausbildungszeit drei Jahre betrug. In den Monaten des Spätherbstes und des Winters wurden dann oft zusätzlich „ungelernte“ Saisonarbeiter eingestellt, um die zu dieser Zeit anfallenden Großaufträge erledigen zu können. - Die meisten Körbe haben eine runde Form und sind mit zwei Griffen ausgestattet, bei „Buckelkörben“ werden zudem noch Tragegurte befestigt. Eine Gemeinsamkeit aller Weidenkörbe ist der Korbboden, von dem aus geflochten wird. „Wenn der Korbboden groß genug ist, werden zuerst die radial verlaufenden Weidenruten entlang des Bodenrandes geknickt und fast senkrecht hochgebogen. […] Der abschließende Korbrand wird durch sorgfältiges Zurückbiegen der Rutenenden versäumt, gleichzeitig werden die Henkel eingeflochten.“ Um einen farblich abwechselnden Korb zu erhalten, werden beim Flechten geschälte, ungeschälte und gespaltene Ruten verwendet. Für die Produktion der Körbe benötigten die Korbflechter also verschiedenste Materialien. Manche Körbe wurden auch aus gespaltenem Holz angefertigt, andere aus Weidenruten oder Stroh. Materialien, wie zum Beispiel Weidenruten, wurden in den meisten Fällen von den Korbflechterbetrieben auf eigenem Grund angebaut und abgeerntet. - Für die Aufbewahrung von Obst und Gemüse oder auch das Transportieren von Heu und Holz wurden ungeschälte Weidenruten verwendet. Aus „Kukuruzstroh“ wurden hauptsächlich Einkaufstaschen und „Simperl“ angefertigt. - Aus einem Interview mit Korbflechter Helmut Gabriel erfährt man, dass sich der Korbflechterbetrieb Gabriel sein Einkommen durch Großaufträge des Österreichischen Bundesheeres und der Österreichischen Post, für die Papierkörbe hergestellt wurden, sicherte. Da auch Schlachthöfe mit Weidenkörben ausgestattet wurden, fertigte der Betrieb um die 200 Körbe pro Monat an. - Da seinerzeit viele Menschen die Grundkenntnisse des Flechtens beherrschten und Körbe oft selbst herstellten, gehörten Privatpersonen grundsätzlich nicht zu den Kunden eines Korbflechters. – Nach Theresa Krutzler VWA 2015 „Altes Handwerk im Raum Oberwart - Was ist davon geblieben?“
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
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