„Streiflichter aus Oberwart. Planvoller Aufbau im südlichen Wirtschaftszentrum des Landes Oberwart. (Eigenbericht.) Das Jahr 1953 wurde mit vielen Erwartungen begonnen und ein aufmerksamer Beobachter kann feststellen, daß im südlichen Wirtschaftszentrum unseres Heimatlandes durch zielbewußtes Streben der OeVP und durch verständnisvolle Zusammenarbeit manch dringende Forderungen erfüllt werden konnten. - Dem rührigen OeVP-LAbg. Polster ist es wohl zu danken, daß mit der Errichtung einer Versteigerungshalle [Anm.: Rotunde] nicht nur das Stadtbild Oberwarts gewonnen hat, sondern dem Zuchttiermarkt Ausweitungsmöglichkeiten gegeben worden sind. Wenn auch das Gejohle anläßlich eines „Freistilringabends” in dieser Halle nicht dem gewünschten Zweck entspricht, so ist immerhin doch damit gezeigt, daß die Halle geeignet ist, großen Veranstaltungen entsprechenden Raum und Rahmen zu bieten. - Im anschließenden Gelände sieht man bereits den Neubau der Landes-Frauenberufsschule erstehen. Ein Herzenswunsch des Landesschulinspektors Hofrat Prof. Ing. Nowak geht damit in Erfüllung. Planvolle Arbeit des OeVP-Schulreferenten, des jetzigen Landtagspräsidenten Josef Lentsch, hat es ermöglicht, die Geldmittel dafür bereitzustellen. Damit ist Oberwart auf dem Sektor der Jugenderziehung und der berufsmäßigen Ausbildung besonders der weiblichen Jugend an erste Stelle gerückt. - Unmittelbar neben dieser Baustelle befindet sich das neue Schwimmbad. In verständnisvoller Zusammenarbeit haben die Gemeindevertreter diese immer wieder erhobene Forderung erfüllt, größtenteils aus eigenen Mitteln - dann aber auch mit Unterstützung durch den OeVP-Landesrat Wagner, der immer wieder eine Möglichkeit fand, den Oberwarten helfend beizuspringen. Das Wort des Landeshauptmannes Dr. Karall anläßlich der Eröffnung des Schwimmbades hat besondere Bedeutung: „Wir werden Oberwart zum Zentrum des südlichen Burgenlandes ausbauen...” - Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der einzige, modern ausgestaltete Versammlungssaal in Oberwart, der Festsaal der Bezirksstelle Oberwart der Kammer der gewerblichen Wirtschaft, durch das entscheidende Eingreifen des OeVP-Mandatars Dipl. Ing. Vogl als Kammerpräsident seiner Vollendung zugeführt werden konnte. Zur Ausgestaltung der Bühne steuerte die Stadtgemeinde ihren Anteil bei. - Bau einer Wasserleitung: Und wieder waren es die OeVP.-Mandatare in der Landesregierung, die durch Ankauf des alten kath. Pfarrhauses [Anm.: aus heutiger Sicht kann dieser Zusammenhang nichtg hergestellt werden.] die Möglichkeit zur Errichtung einer neuen Bezirkshauptmannschaft schufen und damit zugleich die kath. Pfarrgemeinde in die Lage versetzten, ein neues Pfarrhaus zu errichten. Auch für das neue evangelische Pfarrhaus wurden Landesmittel bereitgestellt. Der Bau der Wasserleitung ist in Oberwart eine Notwendigkeit ersten Ranges! Daß es gerade das Ministerium für Handel und Wiederaufbau unter Führung des OeVP-Ministers Dr. Illig ist, das hier die maßgeblichen Mittel zur Verfügung stellt, mag der Beweis dafür sein, daß die OeVP überall tatkräftig zupackt, wo es zum Wohle der Bevölkerung dringend notwendig ist. Liegt es auch im Sinne der SPOe, alle greifbaren Geldmittel in den Straßenbau zu werfen, um damit Arbeiter parteihörig zu machen, so haben die Oberwarter längst erkannt, wer die Interessen auf allen wirtschaftlichen und kulturellen Gebieten tatsächlich vertritt. Es sind dies die OeVP-Abgeordneten und Gemeinderatsmitglieder, auch wenn ihnen die Bevölkerung die Mehrheit versagt hat. Was wäre noch zu machen gewesen, wenn ... - Da stolpert man durch die Hauptstraße, die Gehsteige sind mit grobem Kies bestreut und in großen Löchern sammelt sich das Regenwasser, eine Instandhaltung bzw. Instandsetzung wäre angeblich erst möglich, wenn die Kanalisierung durchgeführt worden ist. - Wir sehen ein Gasthaus am Eingang des Marktes, es ist gemeindeeigen. Der Zustand ist erbarmungswürdig, eine Renovierung kann sich die Stadtgemeinde zur Zeit nicht leisten. Ein Verkauf an private Interessenten wird von der SPOe-Fraktion verhindert. Es wird also weiterhin der Gemeindebau das Stadtbild „zieren”. - Wie steht es mit dem gemeinnützigen Wohnungsbau? Könnte die allgewaltige SPOe nicht einen Blick in die Landeshauptstadt oder nach Mattersburg tun, wo von OeVP.-Gemeindevertretungen Wohnungen noch und noch errichtet werden, um den Wohnungsuchenden helfend unter die Arme zu greifen? Wie ebenfalls erbarmungswürdig sehen aber schon die bestehenden Wohnhäuser z. B. in der Siedlung aus? Es ist der SPOe-Mehrheit vorbehalten geblieben, Bestehendes verfallen zu lassen. - Leere Worte aber keine Taten der SPÖ bei der Jugend: Auf den Fahnen der SPOe steht groß das Wort „Jugend”. Für sie muß alles getan werden! Hat die Oberwarter Jugend heute, 9 Jahre nach Kriegsende, schon einen Jugendspielplatz? Kann sich die Jugend nach der Schule irgendwo tummeln, ohne der Gefahr der Straße ausgesetzt zu werden? Mit einem lächerlichen „Kinderspielplatz” nach Muster Großstadt will ein Fraktionsführer Muth den Leuten Sand in die Augen streuen, anstatt das Problem ernsthaft anzupacken. Wäre nicht die Kirche eingesprungen, der so bekannte Oberwarter Sportverein könnte nicht einmal spielen, während der eigene Platz mit nur eigenen und Totomitteln ausgebaut wird. Dafür rühmt sich aber eben die SPOe, es verhindert zu haben, daß auf dem günstigsten Platz für die vielen Arbeiter und Angestellten, die ein erhebliches wirtschaftliches Potential Oberwarts ausmachen, ein Tennisplatz errichtet würde. Das Vorbild der verlorenen Gelder am Hirschenstein scheint Schule gemacht zu haben. Man läßt das bereits vom Toto zur Verfügung gestellte Geld davonschwimmen, ohne selbst einen Ersatz stellen zu können! Wer zeichnet verantwortlich? Die SPOe mit dem Fraktionsführer Muth. - Es ist nicht anzunehmen, daß alle Oberwarter, die sich zur SPOe bekennen, diese Mißwirtschaft unterschreiben. Außenstehende sind so wie die Eingeweihten der Ansicht, daß die SPOe-Fraktion Oberwart gleichbedeutend mit „Muth-Fraktionsführer” sei. Will man also die SPOe betrachten, dann müßte man Herrn Muth unter die Lupe nehmen. Er gibt zwar kein Musterbeispiel von Demokratie, läßt aber auf Schule in jüngst vergangener Zeit schließen. Vielleicht aber hat man Herrn Muth eine Aufgabe zugeschanzt, der er gar nicht gewachsen ist, denn 1946 hat er sich als Sohn eines Bauern infolge seiner „Fachkenntnisse” aus „Liebe zum Bauernberuf” in Deutsch-Jahrdorf als Landarbeiter einstellen lassen und wollte als solcher beim Aufbau Oesterreichs mit „all seinen Kräften” mithelfen. Dieses Wollen ließ sich Herr Muth von der Landwirtschaftskammer bestätigen mit dem Bemerken, daß die Landarbeitertätigkeit von „Dauer” sei. Bereits 1947 scheint der gleiche Herr Muth bereits in Oberwart als Kaufmann auf und wird dann im Zusammenhang mit der Gewerbekammer Oberwart genannt. Nachdem vom konstruktiven Aufbau zumindest in der Stadtgemeinde Oberwart seitens der SPOe wenig, um nicht sagen zu müssen, nichts zu bemerken ist, wäre der Schluß naheliegend, daß die Betätigung in der Landwirtschaft (Mangelberuf) nur deshalb angegeben wurde, um aus der rumänischen eine österreichische Staatsbürgerschaft zu machen. Abenteuerlich wie die Berufswahl scheint jedenfalls auch die Tätigkeit in Oberwart zu sein. Es ist anzunehmen, daß die Bevölkerung Oberwarts, vor allem aber die „sehr beeindruckte” SPOe-Fraktion im Gemeinderat dies rechtzeitig erkennt, um 1954 den Weg zu einer gesunden Gemeindepolitik, zum Wohle der wirtschaftlich schwer ringenden Bevölkerung und der immerhin mit noch starkem Glauben an die Zukunft erfüllten Jugend beschriften werde“.
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
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