Oberwarther = Sonntagszeitung vom 22. November 1936: ausführlicher Bericht über den Besuch von Vizekanzler Feldmarschall Dr. Ludwig Hülgerth (*1875/+1939) in Oberwarth

Oberwarther = Sonntagszeitung vom 22. November 1936: ausführlicher Bericht über den Besuch von Vizekanzler Feldmarschall Dr. Ludwig Hülgerth (*1875/+1939) in Oberwarth

Die Zeitung schreibt: "Vizekanzler Feldmarschallleutnant Hülgerth in Oberwart. Vizekanzler Feldmarschallleutnant Hülgerth, Generalkommandant der Frontmiliz, der an der Feier der 15jährigen Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Oesterreich in Eisenstadt teilgenommen hat, nahm anschließend eine Inspizierung der Frontmiliz des Burgenlandes vor. Nach Inspizierungen in Neufeld, Mattersburg, Oberpullendorf und Langenthal traf der Vizekanzler in Begleitung seines Stabschefs Generalstabsoberst Ing. Kubitza, des Landeshauptmannes Ing, Sylvester, des Landesstatthalters Graf Coreth und des Landesmilizkommandanten Landesrat Ing. Strobl sowie mehrerer Herren vom General- und Landesmilizkommandos am Sonntag den 15. d. um halb 2 Uhr nachmittags in Oberwart ein. - Auf dem Dollfußplatz fanden sich zur Begrüßung des Vizekanzlers unter Führung des Bezirkshauptmannes Oberregierungsrat Doktor Kleinert die Spitzen der Behörden, die Gemeindevertretung mit Bürgermeister Sisko an der Spitze, die Bezirks- und Ortsleitung der B. F., die Geistlichkeit, die Vertreter der Garnison, Gendarmerie, der Schulen und Aemter, des Staatl. Arbeitsdienstes, die Frontmilizen unter Führung des Adjutanten des Bezirksmilizkommandos Oberleutnant i. d. Res. Randolf, die Oberwarter Feuerwehr unter Führung ihres Kommandanten Hutter, in Vertretung des Bezirksfeuerwehrkommandanten Ronacher Brandvizeinspektor Knotz aus Pinkafeld, Abordnungen der Ortsfeuerwehren von Unterschützen, Unterwart und Rotenturm und eine Gruppe des Oesterr. Jungvolkes ein. Außer der Frontmiliz Oberwart waren Milizabordnungen aus Bernstein, Rechnitz, Unterwart, Rotenturm, Schachendorf, Schandorf, Dürnbach, Großpetersdorf und Markthodis erschienen. Die Frontmiliz Rotenturm war auch durch ihre Milizkapelle vertreten. Bei seiner Ankunft wurde Vizekanzler Hülgerth durch Bezirkshauptmann Oberregierungsrat Dir. Kleinert begrüßt. Nach Abschreiten der von 300 Angehörigen der Miliz, ferner der Feuerwehr und dem Jungvolk gebildeten Front, in welcher sich auch die nicht eingeteilten Milizführer befanden, begrüßte der Vizekanzler die zu seinem Empfang erschienenen Vertreter der Behörden und Aemter, den Bürgermeister und den Gemeindetag. - Nachdem Bezirksmilizkommandant Eugen von Bogdanyi über den Stand der erschienenen Frontmilizen Meldung erstattete, folgte die Defilierung der Miliz, der Feuerwehren und des Oesterreichischen Jungvolkes, bei welcher die einzelnen Formationen ein ausgezeichnetes Bild guter Schulung und strammer Disziplin boten. - Zu Ehren des Vizekanzlers fand im Hotel Neubauer ein Festessen statt. Vor Beginn desselben wurden dem Vizekanzler einige Führer der Frontmiliz vorgestellt. Während des Bankettes trug die Schülerin Ingeborg Kerschbaum ein von Milizwirtschaftsführer Kerschbaum verfaßtes sinnreiches Begrüßunqsgedicht vor. Anschließend fand im Genossenschaftssaal ein Frontmilizapell statt. Bezirksmilizkommandant Bogdanyi gab in den einleitenden Worten seiner Freude über den Besuch des Vizekanzlers Ausdruck. Vizekanzler Hülgerth hob in seiner Ansprache das Auftreten, die Haltung und die Begeisterung der ausgerückten Milizformationen lobend hervor und begrüßte es freudigst, daß hier im Oberwarter Bezirk trotz verschiedener Nationalitäten ein gedeihliches Zusammenarbeiten möglich sei. - Nach dem Appell besichtigte der hohe Gast in Begleitung des Landeshauptmannes und mehrerer Herren der Landesregierung auch eine Gas- und Luftschutzübung unter Leitung des Bezirksluftschutzreferenten Dr. Kühnelt, welcher auch Landesfeuerwehrinspektor Franz Binder und Landesluftschutzreferent Kreisinspektor Pestl beiwohnten; die Uebung zeigte, daß auch im Süden die burgenländischen Feuerwehren, die nach einem Landesgesetz straff organisiert sind und gut durchgeschult werden, als Sondermiliz einen wertvollen und rasch funktionierenden Grundstock der Frontmiliz abgeben. Der Vizekanzler sprach sich auch hier sehr lobend aus und ließ, sich einige ältere verdiente Feuerwehrmänner vorstellen. Um 5 Uhr trat Vizekanzler Hülgerth in Begleitung des Landeshauptmannes, des Landesstatthalters und der übrigen Gäste aus Eisenstadt! die Rückreise nach Wien an“. - [Anm.: Ludwig Hülgerth (*1875/+1939) war ein österreichischer Offizier und Politiker im 20. Jahrhundert. Er war Offizier im Militär der Habsburger Monarchie Österreich-Ungarn und später in Österreich. 1927 ging er als Generalmajor in Pension, 1934 erhielt er den Rang eines Feldmarschallleutnants. - Nach seiner militärischen Karriere ging Hülgerth in die Politik, wo er in der sogenannten Heimwehr aktiv war. Ab 3. November 1936 war er Vizekanzler in der Regierung Schuschnigg III und gehörte in dieser Position auch der Regierung Schuschnigg IV an. Vizekanzler Feldmarschall Dr. Ludwig Hülgerth starb am 13. August 1939].

JAHR DER ENTSTEHUNG

1936

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: © ÖNB – ANNO: Historische österreichische Zeitschriften und Zeitungen

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