Karl Fuith (*12.10.1884 in Pinkafeld / + 1.4.1966 in Oberwart): sein Vater, Gastwirt in Pinkafeld, schickte ihn in die Volksschule nach Güns, um ihn die ungarische Sprache erlernen zu lassen. Dann kam er ans Benediktiner-Gymnasium in Györ und anschließend ans Piaristen- Gymnasium in Veszprém, wo er 1903 auch maturierte. Anschließend studierte Karl Fuith an der Universität Budapest und promovierte 1912 zum Dr. iur. Er wurde Rechtsanwalt in Oberwart, mußte aber bereits 1914 zum Kriegsdienst zuerst an die italienische, dann an die russische Front einrücken. Als er 1918 als Oberleutnant zurückkehrte, begann seine politische Karriere. - Er wurde Präses des „Nationalrates“ von Oberwart und stand nach Ausrufung der Räterepublik Ende März 1919 an der Spitze des Direktoriums des dortigen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrates. Im Mai 1919 wurde er als Deputierter des Oberwarter Bezirkes in den Gaurat des autonomen Gaues Deutsch-Westungarn entsandt. Aber schon im Juni 1919 stand er - enttäuscht von der Entwicklung der Räterepublik - an der Spitze der „Oberwarter Gegenrevolution“. Als diese fehlschlug, floh er in die Steiermark (Hartberg). - Nach dem Zusammenbruch der Rätediktatur baute er die Christlich-soziale Bewegung im Bezirk Oberwart auf und wurde im Oktober 1919 deren Parteisekretär, 1923 ihr Bezirksobmann. Doch erst 1930 bekam er ein Mandat im Landtag (4.Wahlperiode 5.12.1930 - 31.10.1934), 1932 wurde er als Kompromisskandidat überraschend zum Landesparteiobmann der CsP gewählt. [Anm.: Die Christlichsoziale Partei (Österreich) (kurz CS oder CSP) war eine historische, katholisch-konservative Partei in Österreich-Ungarn und in der Ersten Republik Österreich. Anfangs war sie noch vom Wiener Kleinbürgertum und sozialreformatorischen Ansätzen geprägt, wandelte sie sich später zu einer konservativen Volkspartei des besitzenden Bürgertums und Bauerntums.] Allerdings besaß er trotz dieses nach außen hin hohen Amtes kaum mehr echte politische Macht. Er behielt diese Positionen bis zur Liquidierung der CsP am 16. Oktober 1934. Im Ständestaat spielte er keine nennenswerte Rolle mehr. - Nachdem die kath. Kirchengemeinde in Oberwart seit 1921 einen weltlichen Präses einberief, konnte Dr. Karl auch diese Funktion übernehmen und übte sie bis zu seinem Tod im Jahre 1966 aus. Hauptberuflich betrieb er eine gut gehende Rechtsanwaltskanzlei in Oberwart und war Direktionsmitglied und Rechtsberater der Sparkassen in Pinkafeld, Oberwart, Großpetersdorf, Allhau und Bernstein. - Nach Gerald Schlag: „Burgenland – Geschichte, Kultur und Wirtschaft in Biographien“
Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER
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