Aufruf in "Der Freie Burgenlander" vom 26. Oktober 1924 zur Unterstützung des Baus des Bezirksstiftungskrankenhauses

Aufruf in "Der Freie Burgenlander" vom 26. Oktober 1924 zur Unterstützung des Baus des Bezirksstiftungskrankenhauses

Aufruf an alle in der Fremde lebenden treuen Söhne des Bezirkes Oberwart. Liebe Landsleute: Ende Mai dieses Jahres hat sich das Kuratorium des Bezirksstiftungskrankenhauses in Oberwart über Initiative seines Obmannes Alzner entschlossen, das Krankenhaus mit einer chirurgischen Abteilung zu erweitern und hat diesen Entschluß im Junidieses Jahres auch in die Tat umgesetzt. Die Auswahl des Leiters dreier Abteilungen fiel auf den mehrjährigen Assistenten des bekannten Wiener Chirurgen Hofrat Dr. Funke (Rudolfsspital), auf Herrn Dr. Wilhelm Smital aus Wien. Da Dr. Smital es verstanden hat, sowohl durch seine vortreffliche Arbeit als auch durch sein leutseliges Wesen seinen Ruf zu begründen und zu befestigen, erübrigt es sich hier bloß hervorzuheben, daß die Wahl eine sehr glückliche war. Hundertfünfzig glücklich ausgeführte, schwere Operationen auf allen Gebieten der Chirurgie und Gynäkologie in kaum drei Monaten legen beredtes Zeugnis ab für sein diagnostisches und chirurgisches Können und seine unermüdliche Tatkraft. - Ueberall hin ist die Kunde gedrungen, daß hinfort im Bezirksvorort Oberwart in allen Fällen, auch der schwersten Erkrankungen, die einen operativen Eingriff erheischen, die fachgemäße Abhilfe gesucht und gefunden werden kann, und schon langen chirurgische Fälle auch aus dem steirischen Nachbargebiet ein. - Hiedurch wurde einem lange und allgemein gefühlten, brennenden Bedürfnisse Rechnung getragen und die Fälle von vielen weiteren Vormerkungen beweisen, wie dringend unerläßlich die Errichtung der chirurgischen Abteilung gewesen ist. - Das Krankenhaus, das nun allen erhöhten Anforderungen entsprechen soll, muß aber auch räumlich für diesen Zweck umgestaltet werden, denn die derzeit bestehenden 44 Betten reichen schon nicht mehr aus. - Bezüglich der Ausgestaltung des Krankenhauses wurden die Projekte bereits ausgearbeitet, die durch einen beiderseitigen Flügelanbau und Stockwertsausführung eine Ergänzung aus 100 Betten vorsehen. Die Kosten stehen unten. Berechnung und sind aus diesem Grunde noch nicht genau bekannt, weil man aus einem ausgelassenen Wiener Spital einen Teil des Inventars vom Bund zu einer verbilligten Preise erhalten zu können hofft. - Jedenfalls muß aber mit einem Kostenauftwande von zirka 2 bis 2 ¼ Milliarden Kronen gerechnet werden. Diese Summe soll durch eine Belebung der Krankenhausstifteraktion, durch Beiträge der Gemeinden, des Bundes, des Landes, des Verbandes der Krankenkassen und der Unfallversicherungsgesellschaft in Wien aufgebracht werden. Die Verhandlungen werben sofort eingeleitet werden, sobald das Erfordernis annähernd feststeht. - Um wenigstens mit dem Rohbau in diesem Herbst oder längstens im Frühjahr unter Dach zu kommen, sind alle Gemeinden des Bezirkes eingeladen worden, einen Aktionsausschuß einzusetzen und zugunsten der Erweiterung des Bezirksstiftungskrankenhauses Blumentage abzuhalten. - Wie aus den burgenländischen Zeitungen zu ersehen und aus persönlichen Eindrücken und Berichten von Augen- und Ohrenzeugen bekannt wird, ist hiebei die opferfreudige und werktätige Mithilfe aller Schichten der Bevölkerung deutlich zutage getreten und sind die bereits bekannten und abgeführten Reinerträgnisse der Blumentage ganz namhafte Geldbeträge. Alle Geistlichen, Bürgermeister, Beamten, Lehrer, Sekretäre, Vereine usw. waren durch Rat und Tat freudigst und eifrig zum Gelingen derselben (Vorträge, Tanzabende, Theateraufführungen, Wiesen- und Gartenfeste, Liedertafeln und Juxlotterien usw.) in dankenswerter Weise beigetragen, und so kann schon jetzt dem endgültigen Ergebnisse der Blumentage vorgreifend gesagt werden, daß der Appell, wie ja bei der bekannten Opferwilligkeit der Bevölkerung des Bezirkes Oberwart vorauszusehen war, überall freudigen Widerhall gefunden hat, ist es doch allen ein wahres Herzensbedürfnis gewesen, sich für das Gelingen dieser so edlen Aktion einzusetzen. - Diese Blumentage werden voraussichtlich einen Betrag von etwas über 100 (einhundert) Millionen Kronen bringen, das ist also nur einen kleinen Bruchteil der großen Kosten, die mit der Durchführung des Erweiterungsprogrammes verbunden sein werden. - Indem nun gleichzeitig alle Gemeinden des Bezirkes ersucht werden, für diesen Zweck aus Gemeindemitteln einen größeren Beitrag zu widmen und hiedurch als ewige Stifter mitbestimmend in die Krankenhausverwaltung einzutreten, indem gleichzeitig hochherzige Gönner und Förderer von Werken der Barmherzigkeit und Nächstenliebe eingeladen werden, bei Einzahlung einmaliger größerer Stifterbeiträge, beziehungsweise mehrmaliger kleinerer Stifterbeiträge in die Krankenhausverwaltung als Stifter einzutreten, ergeht hiemit auch an euch, in weiter Ferne lebenden treuen Söhne des politischen Bezirkes Oberwart die freundliche Bitte, auch eurerseits ein Scherflein zur Ermöglichung des gesteckten Hochzieles beizutragen und überall, wo ihr auch sein möget, in eueren Krankenhaushilfsgesang-, Geselligkeit- und sonstigen Vereinen und Landmannschaften nach dem Beispiele der Heimat Blumentage zugunsten des Bezirksstiftungskrankenhauses in Oberwart zu veranstalten und das Reinerträgnis an das Bezirksstiftungskrankenhaus überweisen zu lassen. - Ihr werdet gebeten, diese Blumentage mit den möglichst geringsten Kosten zu veranstalten, damit ein möglichst großer Reinertrag für das Krankenhaus abfallen kann. - Ihr in Chicago oder wo ihr sonst an anderen Orten weilt, welche Orte dank einer anderen Entwicklung auf fürsorglichem Gebiete weit fortgeschritten sind, werdet begreifen, wie segensreich die Tat des Kuratoriums für eure daheim gebliebenen Angehörigen war, denn hinfort muß niemand mehr schon deshalb sein Leben verlieren, weil bei dem allzu weiten Transport die chirurgische Hilfe meist zu spät kam und der Rat eines chirurgischen Fachmannes rechtzeitig nur bei Opferung von großen Kosten und Zeit möglich war. Für eure Angehörigen, eure Weiber, Kinder und Kindeskinder und so Gott will, auch für euch wollen wir das begonnene Werk zu Ende führen und rechnen auch auf eure Hilfe, hoffentlich nicht vergebens. - Wie ihr in den Zeitungen lesen könnt, geht die Entwicklung der Heimat mit mächtigen Schritten vorwärts, ihr habt von der baldigen Fertigstellung der Bahnverbindung Friedberg - Pinkafeld und von der glänzenden landwirtschaftlichen und gewerblichen Bezirksausstellung vernommen und erseht daraus, aber auch aus vielen anderen Dingen, insbesondere aus der Entwicklung des Schulwesens, daß eine neue Zeit dämmert und daß eure daheim gebliebenen Brüder an der fortschrittlichen Entwicklung der Heimat arbeiten, die euch über nicht allzu ferne Zeit freudig wieder aufnehmen soll. - Gebet diesen Aufruf von Hand zu Hand, besprecht ihn mit euren übrigen Landsleuten und lasset uns bald hören, welche Aufnahme unsere inständige Bitte bei euch gefunden hat. - Von Bund und Land, von den Krankenkassen und der Unfallversicherungsanstalt können wir gewiß nicht auf sehr ausgiebige Geldhilfe rechnen und so bleibt nur der Weg der Selbsthilfe. Die Wurzeln der heimischen Kraft müssen weit ausgreisen und werden sich auch zur Vollendung dieses großen Werkes stark genug erweisen, wenn alle zusammenstehen, alle fest zusammenhalten, zusammenwirken! - Der Röntgenapparat, um 120 Millionen Kronen in Berlin bestellt, ist schon abgerollt und wird in diesen Wochen noch in Oberwart zur Aufstellung gelangen. Das Instrumentarium ist angeschafft und wird immerzu ergänzt, so daß wir in kürzester Zeit für jede Operation ganz erstklassig ausgerüstet sein werden. Es ist geplant eine Tuberkulosenliegehalle, eine Geschlechtskranken- und eine Mütterberatungsstelle hinzufügen. Ihr sehet - die vollständige Umwandlung in ein allen Anforderungen der Zeit in jedem Belang entsprechendes Krankenhaus! - Eure Beiträge ersuchen wir an die Adresse „Bezirksstiftungskrankenhaus in Oberwart (Burgenland)" zugunsten der baulichen Erweiterung zu senden und werden wir eure Spenden, für die wir im voraus den schönen Dank der Heimat sagen, in der Presse jeweils ausweisen. Mit landsmännischen Grüßen: Für das Kuratorium - Bezirks Hauptmann Hermann Alzner e.h. – Obmann; Friedrich Reiß e.h. – Landtagsabgeordneter; Graf Ludwig Erdödy e.h.; Alexander Sisko e.h. - Bürgermeister in Oberwart; Samuel Schlenger e.h.; Baurat Max Köhler e.h.; Karl Varga e.h.; Samuel Köhler e.h.; Dr. Franz Brenner e.h.; Johann Graf e.h. - Bürgermeister, Tatzmannsdorf; Hermann Schwarz e.h., Andreas Freißlinger e.h.;

JAHR DER ENTSTEHUNG

1924

ANGABEN ZUR HERKUNFT DES BILDES

Hochgeladen von: Tillfried SCHOBER

Herkunft des Bildes: © ÖNB – ANNO: Historische österreichische Zeitschriften und Zeitungen

Kommentare

Sie haben eine Frage zu dem Bild oder möchten einen Kommentar dazu abgeben? Registrieren Sie sich bitte mit Namen und Email-Adresse bzw. melden Sie sich unter LOGIN an, wenn Sie schon registriert sind.

REGISTRIEREN oben